Kommentar an SlateTalk – Das Tabletblog

In meinem heutigen Artikel habe ich geschrieben, dass Nokia von der angeblich bevorstehenden Trennung vom Smartphone-Geschäft zu einem reinen Hardware-Hersteller und dass Microsoft ein aufgeweckter Riese werden wird. “Coyanis” von SlateTalk hat mich gebeten zu seinem Kommentar Stellung zu nehmen.

In dem Kommentar heißt es, dass die Führung Nokia nicht so dumm wäre das Smartphone-Geschäft abzustoßen, denn die Kooperation mit Microsoft scheint wohl langsam Früchte zu tragen. Wie Coyanis aber richtig erkennt, sind Microsoft und Nokia die Verlierer des Smartphone-Marktes. Beide erhoffen sich durch die Kooperation einen Aufstieg: Nokia möchte mehr Handys verkaufen und Microsoft sein Betriebssystem verbreiten.

Ich sehe da allerdings meherere Probleme: 1) der Ruf Nokias in den USA extrem schlecht. Dort gilt Nokia als die Billigmarke schlecht hin – etwa so wie bei uns LG. 2) Nokias Handys sind von den Telekommunikationsunternehmen in den USA nicht subventioniert. Will man dort ein Nokia-Smartphone kaufen ist dies teurer als der Kauf der Konkurrenz von Google und Apple. 3) Der Ruf von Nokia hat auch in Europa gelitten. Nokia gilt nicht mehr als der Hersteller der besten Handys, insbesondere von Smartphones. 4) Ostasiatische Konkurrenz hat in Sachen Qualität – zu oft besseren Preisen – aufgeholt. 5) Microsofts Windows Phone hat das Image ein schlechtes Betriebssystem zu sein von Windows Mobile geerbt. Das Image loszuwerden wird eine schwierige Angelegenheit.

Elder Murtazin hat ja, wie Coyanis berichtet, erzählt, welche Neuausrichtung Nokia vornehmen würde, wenn Nokia sich für den Verkauf entscheidet: Low-Cost-Smartphones. Ich hatte ja in meinem Artikel erwähnt, dass Nokia von der Bildfläche in Europa und den USA mehr und mehr verschwinden wird, weil sich Nokia auf das immer noch hoch profitable Geschäft mit konventionellen Handys konzentrieren wird. Sollte sich Nokia noch für ein Low-Cost-Smartphone-Geschäft entscheiden, würde dies den Rückzug aus dem europäischen Markt nicht stoppen, denn Low-Cost-Smartphones würden hauptsächlich in Ländern wie China, Indien und in Südamerika und Afrika abgesetzt werden. Da Nokia aber in Europa zu höheren Kosten produziert, als die Konkurrenz von HTC, LG und Samsung in Ostasien, würde das bedeuten, dass Nokia entweder weniger absetzt, weil es teurer ist, oder es würde billiger verkaufen, aber dann auch pro Handy weniger verdienen. Auf jeden Fall würde dies bedeuten, dass Nokia insgesamt weniger verdient. Dass die Geräte auch bei uns abgesetzt werden können bezweifle ich. Das liegt zum einem am Ruf, aber zum anderen auch an der Konkurrenz: Es gibt in Europa auch schon kostengünstige Smartphones mit Android als Betriebssystem und gerüchteweise plant auch Apple eine Abspeckversion des iPhones auf den Markt zu bringen – neben den schon jetzt günstig erwerbbaren iPhone 3G.

Nokia steht vor einer Neuausrichtung des Geschäfts. Die Firma ist im Moment das, was Motorola bis zum Verkauf an Google war: ein Ertrinkender im großen Ozean, nur, dass sich Nokia verzweifelt an einem Strohhalm festhalten zu versucht. Nokia kommt nicht drumrum sich aus dem Smartphone-Geschäft zu verabschieden und ein Dasein als Hersteller konventioneller Handys zu fristen. Warum sollte also Nokia nicht das Geld mitnehmen, was es noch viel Geld dafür gibt?

Microsoft hingegen würde von dem Kauf profitieren. Es könnte seine Software besser auf die Hardware abstimmen und ein Gesamtprodukt verkaufen. Es könnte sein Betriebssystem besser mit anderer Haussoftware verknüpfen. Sollte Microsoft auch noch Yahoo irgendwann kaufen, könnte sogar Microsoft eine große Nummer im Mobile-Ads-Sektor werden. Microsoft würde also nur profitieren, zumal es trotzdem sein Betriebssystem für anderen Hersteller zu Verfügung stellen kann, so wie es Google auch nach dem Kauf von Motorola weiterhin macht.

2 Gedanken zu “Kommentar an SlateTalk – Das Tabletblog

  1. Lieber Kilian, das freut mich, dass du dir Zeit genommen hast. Ich kann dir allerdings insofern nicht zustimmen, als das ich glaube, dass das Ökosystem von Windows Phone trotz aller Rückständigkeit noch Potential hat. Nokia profitiert von dieser Partnerschaft wie kein anderes Unternehmen, ferner deute ich den Zukauf als Indiz für eine Neuausrichtung der bestehenden Produktpalette. Nokia kostet das Smartphone-Abenteuer mit Microsoft momentan zwar noch Geld, mittel- bis langfristig werden Nokia Smartphones mit Windows Phone allein wegen ihres Preises interessant – wenn sie das nicht jetzt schon sind.

    Ob Microsoft finanziell von einer Übernahme profitieren würde? Ich weiß es nicht, Analysten von Credit Suisse sagen dem Windows Phone Ökosystem eine Hochzeit voraus. (via http://blogs.computerworld.com/19525/credit_suisse_2012_will_be_a_breakout_year_for_windows_phone_7) Wir werden sehen, aber strategisch gesehen halte ich nach all den Investitionen in diese Partnerschaft einen Verkauf für zu früh.

  2. Pingback: Microsoft – Aufrüsten für ein neues Zeitalter | Kilian Suermann

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